Was ist eigentlich... Blockchain?

Bitcoins? Hat fast jeder schon mal gehört, seit die digitale Währung immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Weniger bekannt, aber hoch relevant ist Blockchain, die Technologie hinter der virtuellen Währung.  Doch wie funktioniert eine Blockchain? Welche Anwendungsmöglichkeiten gibt es und welche Rolle könnte die Technologie künftig in der Wohnungswirtschaft spielen? Wir bringen Licht ins Dunkel.

Blockchain, wörtlich „Kette aus Blöcken“, ist im Kern ein elektronisches Datenregister, vergleichbar mit einem gigantischen virtuellen Kassenbuch. Die Besonderheit: Eine zentrale Kontroll-, Steuer- oder Vermittlerinstanz gibt es nicht. Vielmehr ist das digitale Register auf Tausenden von Rechnern verteilt. Innerhalb dieses Netzwerks werden Informationen aller Art – zum Beispiel Finanztransaktionen – in Datenblöcken gespeichert, die wie Perlen einer Kette miteinander verbunden sind. Was einmal in der Blockkette hängt, lässt sich nicht mehr ändern. Es ist somit manipulationssicher und bleibt für immer nachvollziehbar.

Vielfältig verwendbar

Ursprünglich wurde Blockchain für die Digitalwährung Bitcoin entwickelt, um Geldtransaktionen ohne Banken zu ermöglichen. Heute bietet die Technologie das Potenzial, auch andere digitale Geschäfte sicher, effizient und kostengünstig abzuwickeln. In der Immobilienwirtschaft steckt das Blockchain-Prinzip zwar noch in den Kinderschuhen, wie die Studie „Smart, Smarter, Real Estate“ des Zentralen Immobilien Ausschusses feststellt. Langfristig werde die innovative Technologie aber erheblich an Bedeutung gewinnen, beispielsweise bei der Immobilienfinanzierung oder dem Verkauf von Grundstücken.

Die ersten Deals gibt es bereits heute. So verkündete etwa die weltweite Real-Estate-Plattform Propy.com im Oktober 2018, den Verkauf einer Immobilie in Sevilla mithilfe von Ethereum abgewickelt zu haben, einer digitalen Währung, die wie Bitcoins ebenfalls auf Blockchain-Technologie basiert. Die virtuelle Transaktion war laut Propy.com eine Premiere in der Europäischen Union. „Blockchain-Technologie revolutioniert fortlaufend unsere Möglichkeiten, Eigentum über Landesgrenzen hinweg zu kaufen und zu verkaufen“, betont das Unternehmen.

Blockchain krempelt Immobilienbranche um

Viele Experten halten es für wahrscheinlich, dass Blockchain den gesamten Prozess des Immobilienkaufs und -verkaufs umkrempeln wird. Beispielsweise könnte in Zukunft der Gang zum Grundbuchamt oder zum Notar entfallen. Denn per Blockchain ließen sich die nötigen Informationen und Vertragsdaten während der Verkaufstransaktion übertragen – automatisch und fälschungssicher. Tatsächlich gibt es weltweit bereits Versuche, Eintragungen ins Grundbuch per Blockchain zu vereinfachen, etwa in Schweden oder im australischen New South Wales.

Laut der Beratungsfirma PwC könnte es künftig sogar möglich sein, via Blockchain dezentrale Bestands- und Mieterdatenbanken bereitzustellen oder alle notwendigen Informationen für die Grundstücks- und Immobilienbewertung vorzuhalten und auszuwerten.

Innovationen am Start

Die Unternehmen Swiss Prime Site und inacta wiederum wollen mittels Blockchain die Prozesse rund um die Mietkaution effizienter gestalten – bis heute ein vergleichsweise aufwendiges Unterfangen, von der Kontoeröffnung bis zur Hinterlegung und Rückzahlung der Kaution. Durch die Blockchain-Technologie ließe sich das gesamte Paket dagegen in wenigen Schritten abwickeln: automatisiert über eine digitale Plattform, direkt zwischen Mieter und Vermieter.

Das Start-up Simmst wiederum setzt auf eine „Handover-App“: Das Tool soll den genauen Zustand einer Wohnung oder einer Gewerbeimmobilie beim Ein- und Auszug dokumentieren. Zu diesem Zweck lassen sich etwa Fotos hochladen. Die Dokumente werden in einer Blockchain-basierten Datenbank gespeichert und sind inhaltlich nur noch veränderbar, wenn sowohl Mieter als auch Vermieter zustimmen. Laut Simmst steht so ein fälschungssicheres digitales Übergabeprotokoll zur Verfügung, das am Ende eventuelle Diskussionen oder gar Gerichtsstreitigkeiten erspart –Blockchain sei Dank.